Das nette Multisprachtalent (link), das sich anschickt, all die fehlenden Dolmetscher spontan zu vertreten, bekommt Gesellschaft. Diesmal ist die Situation etwas entspannter. Auch das Thema ist allgemein gehalten: Kein “financial reporting” und keine all zu eindeutigen Aussagen (“this is not my sandwich”). Dafür aber neue Sprachen: Deutsch (just for starters), Russisch, Chinesich, Portugiesisch… Konsekutiv kongenial. Aber hören Sie selbst:

Als vor einigen Jahren die Europäische Qualitätsnorm für Übersetzungsdienstleistungen EN 15038 erschien, entflammte unter Übersetzern und Dolmetschern eine heftige Diskussion vor allem im Zusammenhang mit dem so genannten Vier-Augen-Prinzip. Wider Erwarten bedeutet dieser Grundsatz kein vertrauliches Zwiegespräch unter vier Augen oder, wie man im Russischen sagt, s glasu na glas (Auge in Auge), das vom Dolmetscher ein Höchstmaß an Vertraulichkeit erfordert. Nein, das Vier-Augen-Prinzip setzt voraus, dass sich mindestens zwei Personen an einer Übersetzung beteiligen, wenn diese Übersetzung in Übereinstimmung mit EN 15038 erstellt wird. Das eine Paar Augen kontrolliert das andere, 2nd look, double check, dual control

Bei den vielen Argumenten pro et contra ging es meistens darum, dass, sollte sich dieses Prinzip durchsetzen, die Folgen nicht nur für die Qualität der Übersetzung, sondern auch für den Preis, die Laufzeit des Auftrags usw. bis zur Ausführbarkeit des Auftrages zu spüren wären. Dabei blieb häufig übersehen, dass allein der explosionsartige Zuwachs an leicht zu erstellenden Publikationen aller Art für eine sorgfältigere Kontrolle spricht. Bedenkt man dazu, dass immer mehr Texte per copy and paste produziert und immer mehr Übersetzungen maschinell gefertigt werden, so findet man immer weniger Einwände gegen eine zweite Person zur Kontrolle. Oder überhaupt gegen eine Person, denn der erste „Übersetzer“ hat heutzutage oftmals gar keine Augen. Erst im Falle eines zweiten Übersetzers (zuständing für das Post-editing von maschinell übersetzten Texten) handelt es sich von einer menschlichen Person.

Meine These ist, dass das Vier-Augen-Prinzip sich schon aus diesem Grunde durchsetzen sollte. Auch trotz oder eher wegen der Verwendung von Übersetzungssoftware (CAT oder TEnT). Andernfalls drohen uns immer mehr Fehler. Inhaltsfehler, Druckfehler, Flüchtigkeitsfehler, welch Fehler auch immer…

Neulich in Russland entwickelte ich meine These über das Vier-Augen-Prinzip als künftiger „Selbstläufer“ im Gespräch mit einer russischen Kollegin und erwähnte Zeitungsüberschriften und Großplakate, die von Druckfehlern nicht verschont geblieben sind. Nun sei die Neonreklame dran. Und tatsächlich, nur ein Tag später, als ich im Flughafen Moskau-Sheremetyevo auf meinen Flug wartete, fiel mein Blick auf das Leuchtschild vor dem Duty-Free-Shop. Ich dachte, ich übertreibe, aber schauen Sie sich bitte diese fesche Aufmachung selber an:

Sploschnaja Illuminazija, wie die russische Übersetzung des Titels des Romans „Everything Is Illuminated“ (auf Deutsch „Alles ist erleuchtet“) von Jonathan Safran Foer lautet…

Es wird also immer Arbeit für Übersetzer geben, wenn auch „nur“ auf den zweiten Blick! Zugegeben, anfangs stand auch ich etwas skeptisch dem Vier-Augen-Prinzip gegenüber. Allmählich wechsele ich innerlich die Seite. Skeptisch ja. Noch. Aber immer weniger.

Das neueste Buch von David Bellos (“Is That a Fish in Your Ear? – Translation and the Meaning of Everything”, Faber & Faber, New York, 2011) gehört in die Kategorie Populärwissenschaft. „Populärwissenschaftliche Literatur zielt nicht auf Wissenschaftler, sondern vielmehr auf den interessierten Laien ab... Bei den Verfassern populärwissenschaftlicher Literatur handelt es sich in der Regel um Wissenschaftler oder Wissenschaftsjournalisten“, so Wikipedia. Damit stellen wir eins von vornherein fest: Das Buch handelt von Übersetzungen und Sprachen und ist von einem Übersetzer (auch Wissenschaftler, denn David Bellos unterrichtet Französisch und Komparative Literatur an der Princeton-Universität und ist Leiter des Princeton-Programms Übersetzung und Interkulturelle Kommunikation) geschrieben. Zugleich ist das Buch weniger für professionelle Übersetzer/Dolmetscher gedacht, sondern vielmehr für alle, die sich für Übersetzungen und Sprachen interessieren.

Diesen „interessierten Laien“ bietet das Buch eine Menge an aufklärenden, unterhaltsamen und zum Denken anregenden Informationen. Dazu gehören zahlreiche facts and figures über exotische Sprachen, Sprachgebräuche und allerlei sprachliche Idiosynkrasien. Was das Wort „Barbar“ ursprünglich für die Griechen bedeutete und warum Deutsche auf Russisch „nemcy“ heißen? Mit den gelieferten Erklärungen kann man durchaus bei Wer wird Millionär punkten, aber auch ernstere, historische Ausführungen tragen zur Verbesserung des allgemeinen Wissensstands bei.

Dazu zählt die Geschichte des Simultanübersetzens, die auf den Nürnberger Prozess zurückgeht. Oder die Beschreibung der Arbeitsweise der Generaldirektion Übersetzung in der EU sowie Beispiele kniffliger Interpretationen von juristischen Formulierungen für und wider des Angeklagten, je nachdem welcher Sprachversion der EU-Regelung der Richter sich bedient. Auch amüsante, bereits anekdotisch gewordene Geschichten über translatorische Schwierigkeiten während politischer Auftritte (Stichwort Nikita Chruschtschow) fehlen nicht in diesem Buch.

Naturgemäß spielt das Thema Humor in der Übersetzung bzw. die Frage, ob sich Humor übersetzen lässt, eine wichtige Rolle im Buch, in dessen Titel schon eine humorvolle Frage steht. Unter vielen Beispielen ist mein Favorit David Bellos’ eigene Übersetzung der ironisch-parodistischen Visitenkarte, die der Held des Romans von Georges Perec im Schaufenster eines Pariser Geschäfts entdeckt:

 Adolf Hitler
Fourreur

Das französische Wort fourreur bedeutet Pelzhändler bzw. Kürschner, entspricht aber zugleich der französischen Aussprache des deutschen Worts „Führer“. Die englische Übersetzung dieser joke visiting card von David Bellos lautet:

 Adolf Hitler
German Lieder

Auch wenn das Buch, wie ich anfangs schrieb, weniger für professionelle Übersetzer und Dolmetscher gedacht ist, so finden language professionals hier doch jede Menge wertvolle, aufschlussreiche Erkenntnisse und Informationen. Zugegeben, die Problematik der Übersetzung von Gedichten (Strophenform, Reim, Metrum usw.) zieht am Übersetzer technischer Dokumentationen vorbei. Jedoch haben viele Themen, die das Buch behandelt, eine universelle, logisch-philosophische Relevanz.

Zum einen betrifft es die Rolle und den Stellenwert der Übersetzung in der Kultur. Interessant ist die Differenzierung zwischen translation UP und translation DOWN, aber auch das Thema Sinn oder Bedeutung, das eigentliche Thema dieses Buches (“Translation and the Meaning of Everything”), wird hier sehr geistreich und innovativ behandelt. So z.B. wie die Übersetzung hilft, selbst das vermeintlich Unaussprechliche des Originals zu durchleuchten und zu verstehen (“one of the truths of translation – one of the truths that translation teaches – is that everything is effable”).

Zum anderen sind es David Bellos’ Thesen zum Thema Kontext. Deren populärwissenschaftlicher Charakter schmälert in keinster Weise den inhaltlichen Wert dieser Ausführungen im engen beruflichen Sinne. “Translation means translating meaning.” Und: “Any piece of language behavior, even a simple request for coffee, acquires a different meaning when its context of utterance is changed”.

Das Beispiel mit der französischen Übersetzung des finales Satzes “It’s complicated” in einem amerikanischen Film als „Pas si simple!“ (und nicht „C’est compliqué“) hätte mir sicherlich geholfen, als ein Unternehmensberater, für den ich mal dolmetschte, mich fragte, warum ich häufig, wenn es um „kleine Unternehmen“ im Deutschen geht, im Russischen eher «небольшое предприятие», also „nicht-großes Unternehmen“ sage.

All die Kollegen, die sich vor der Zunahme maschineller Übersetzungen fürchten, würden sich in ihren Sorgen nach der Lektüre des Kapitels über Google Translate bestärkt fühlen. Ohne dieses Buch hätte ich nicht gewusst, dass die Grand Challenges of the 21st Century, wie diese in der Science Policy Roadmap der US-Administration formuliert sind, neben billigen („wie Wandfarbe“) Solarzellen und intelligenten Prothesen auch die Entwicklung von “automatic, highly accurate and real-time translation between the major languages of the world – greatly lowering the barriers to international commerce and collaboration” vorsieht.

Zwei “truths about translations”, die in diesem Buch offenbart sind, finde ich besonders wichtig. Die erste Wahrheit betrifft sowohl Kontext als auch den Adressaten: “Translators do not translate Chinese kitchen recipes ‘into English’. If they are translators, they translate them into kitchen recipes”. Was der US-amerikanische Dichter C.K. Williams über Poesie sagt: “You don’t translate poetry into ‘English’ but into poetry”, sollte eigentlich als Gebot für alle Übersetzungen gelten. Eine deutsche Betriebsanleitung ins Russische zu übersetzen bedeutet diese Betriebsanleitung nun für den russischen Adressaten zu erstellen.

Die zweite Wahrheit ist David Bellos’ Antwort auf die Frage, was in der Übersetzung verloren geht. Um im populärwissenschaftlichen Genre zu bleiben, verzichte ich auf einen Exkurs zum Thema Denotative und konnotative Bedeutung (auch wenn der Begriff connotation in diesem Buch mir doch fehlte). Hier die abschließenden Worte des Autors: “If you’re looking for the ineffable, stop here. It’s blindingly obvious. It’s not poetry but community that is lost in translation. The community-building role of actual language use is simply not part of what translation does. But translation does almost everything else. It is translation, more than speech itself, that provides incontrovertible evidence of the human capacity to think and to communicate thought. We should do more of it.”

Für alle, die auf der Suche nach Auftragsverwaltungs- bzw. CRM-Software für Übersetzer und Dolmetscher sind, hier ein aktueller Tipp:

Da die neueste, 10. Version von TOM (Translator’s Office Manager) momentan nur als TOM Agentur/Team verfügbar ist, verkauft Jovo-Soft (Joachim Voigt Translation & Software aus Berlin) die abgespeckte Vorgängerversion für Einzelübersetzer bzw. Freiberufler (Solito) zu ca. 70 €. (Ich schreibe bewusst “ca.”, weil der Preis auf der deutschen Seite von Jovo-Soft mit 75 € angegeben ist, auf der englischen aber mit 65 €. Es lohnt sich also, auf das britische Fähnchen auf der Startseite zu klicken.)

Das Angebot ist, wie die Website verlauten lässt, zeitlich begrenzt, sprich bis zum Aktualisieren auch der Freiberuflerversion. Der wesentliche Unterschied zwischen Agentur/Team und Solito besteht darin, dass die Struktur der Solito-Datenbank eine Kategorie vermissen lässt, nämlich (andere) Übersetzer/Lieferanten (der Einzelübersetzer arbeitet per Definition allein bzw. will kein Geld ausgeben, um seine Kollegen in die Datenbank einzutragen). Der Unterschied zwischen den Versionen 9 und 10 wird ausführlich erklärt, meines Erachtens deutet es aber auf einige Verschlimmbesserungen hin. Als Verschlimmbesserung bezeichne ich vor allem die grundsätzliche Tendenz, jede neue Softwareversion mit immer weiteren Funktionen und Optionen zu befüllen, anstelle das Programm einfacher und überschaubarer zu gestalten. Wenn all die unzähligen Features schon in der Beschreibung nicht in meinen unmittelbaren Nutzen „übersetzt“ werden (d.h. was nutzt mir z.B. zu wissen, dass die Benutzeroberfläche ab jetzt noch mehr Aufklappmenüs hat?), befürchte ich die Gefahr, dass der software vendor nicht nur einen Marketingfehler begeht, sondern womöglich auch die Bedürfnisse der Zielgruppe nicht richtig erkannt hat.

Bei der Menge von Tabellenzellen und Feldern, die erwarten, von mir ausgefüllt zu werden, wenn ich z.B. einen Kunden oder einen Auftrag erfassen möchte, muss ich unwillkürlich an die im Fernsehen immer wieder gefeaturten Ärzte denken, die angesichts des von Ihnen geforderten verwaltungstechnischen Aufwands keine Zeit mehr haben, sich um Patienten zu kümmern.

Auch die neuen, vermeintlich nützlichen Funktionen, wie die automatisierte Kommunikation (Sammelmail an mehrere Übersetzer oder automatisch generierte Terminerinnerungen mit einem Standard-Text, der in >Ben.Einst. >Formulare >E-Mail-Templates >ÜbAuftr (!!!) definiert wird – viel Freude damit!), sind meiner Meinung nach eher kontraproduktiv für die (häufig wechselseitigen und – noch wichtiger – noch menschlichen) Beziehungen zwischen Kunden und Lieferanten.

Wie auch immer, es kommt etwas Bewegung in das Marktsegment Verwaltungssoftware für Übersetzer. Wenn LinguiProfi immer noch mit den „aktuellen Neuigkeiten“ vom November 2010 wirbt (Vergünstigte Version für Berufseinsteiger… Sie sind selbständig und haben eine gültige Gewerbeanmeldung… (!!!) Die Anmeldung Ihres Gewerbes (?!) liegt nicht länger als zwei Jahr (genau, „zwei Jahr“, richtig gelesen) zurück…), wenn auch LinguAss, ein sehr sympathisches, wohlgemerkt, Softwareprodukt, nicht weiter entwickelt wird, ist das Erscheinen einer neuen Version von TOM schon ein bemerkenswertes Ereignis! Was denn nun? Make or buy?

Für mich persönlich war das Entscheidende, dass TOM ein auf die Bedürfnisse eines Übersetzungsbüros zugeschnittene FileMaker-Template darstellt. Wenn man also einigermaßen technikaffin ist, warum nicht gleich das „Original“ (FileMaker) nehmen und nach seinen Bedürfnissen anpassen. Es gibt auch vielfältige freie, customizable Templates, u.a. FM Starting Point von Richard Carlton Consulting Inc. (Bild oben), die im Grunde die gleiche Funktionalität bieten. Nichtsdestotrotz ist TOM Solito in der aktuellen, 9. Version, eine klare Kaufempfehlung, zumal man auch die kostenlose Testversion 30 Tage lang ausprobieren kann. Das die Software zu diesem Preis (65 €? 75 €?) als „nicht upgradefähige Lizenz“ angeboten wird, würde ich in Kauf nehmen.

A recent “article of note”, in the terminology of Arts and Letters Daily, focusing on Haruki Murakami on the eve of October 25, the release date of his monumental 1Q84 in the US (I never realized the book was not officially existing until today, considering many, and in many languages, pirate e-book versions already available on the Internet), contains the word “translator” (or its derivatives) not once, but quite a few times. It appears both natural and remarkable that translation as such would deserve being repeatedly mentioned in an article on a translated book. However, it is not specifically the translation of the book which Sam Anderson, the author of “The Fierce Imagination of Haruki Murakami” in New York Times refers to when writing about (and interviewing) the enigmatic Japanese writer.

“The relationship … is far more complicated than I ever could have guessed from the safe distance of translation”. “The act of translation — shuttling from one world to another — …is in many ways the key to understanding Murakami’s work.” “You could even say that translation is the organizing principle of Murakami’s work: that his stories are not only translated but about translation.” Yet, it was another instance of the key word “translator” which drew my attention and sort of got me going.

“Murakami speaks excellent English in a slow, deep voice. He dislikes, he told me, speaking through a translator.

In my own experience, he is certainly not the only one. Quite often, when doing an interpreting job, I hear the starting apology of the person I translate for (negotiator, lecturer, presenter…) about his/her not speaking the language of the counterpart, thus having, regrettably, to resort to an interpreter. There is a certain consolation to reflect that each profession results from the need to compensate for deficiencies and insufficiencies of the others (was it not Plato who observed that the division of labor lies in the natural inequality of humanity?), but nevertheless… It is certainly not unusual to dislike something you can do only through a proxy. So, if you earn money as a principal’s proxy, how to cope with the principal’s dislike (i.e. justify yourself, for this matter)?

The answer may be not far to seek. “When Murakami sat down to write his first novel, he struggled until he came up with an unorthodox solution: he wrote the book’s opening in English, then translated it back into Japanese. This, he says, is how he found his voice.” “(Murakami’s) entire oeuvre, in other words, is the act of translation dramatized”. It might sound a little bit artsy, but I am growing fond of the word “transcreation”. It is certainly the added value when it comes to something outside the mere need to overcome constraints and deficiencies of somebody who just doesn’t speak the language of his/her audience. Actually, transcreation is something that I have been doing for many years, not necessarily only when working with advertising or PR agencies. (Remember the slogan “Better than the original”.) It is something which boosts your morale or gives you some justification, if you need to guard yourself against likes and dislikes of your customers.

Well, no need to dramatize things. Our reality is far more prosaic. Another quotation from the above article brings me back to facts and figures: “Some bookstores are planning to stay open until midnight on (the) release date, Oct. 25. Knopf (the publishing house) was in such a hurry to get the book into English that they split the job between two translators, each of whom worked on separate parts.” Split the job… Such a hurry… Worked on separate parts… Sounds more familiar, doesn’t it?

Buchumschlag - Buch über Übersetzer von Mitchell

Diese krimimäßige Frage in der Überschrift stellt sich vor Protagonisten eines empfehlenswerten Buchs (kein whodunit, kein Krimi), das ich in diesem Blog kurz vorstellen möchte.

Selbst wenn ich mich mit einem Buch rein privat beschäftige (als Leser oder Hörer, denn ich gehöre zu den Fans von Hörbüchern, Audible & Co.), so ist es für mich als Übersetzer immer interessant, die Übersetzung mit dem Original zu vergleichen, soweit gleich mehrere – am liebsten eine deutsche, eine englische und eine russische – Fassungen vorhanden sind. Außerdem finden sich häufig genug Parallelen zwischen der beruflichen und privaten Realität. Das Buch, das ich in diesem Blog erwähnen möchte, stellt so einen Fall dar.

Selten nimmt das Übersetzen so einen wichtigen Platz in einem Roman ein, selten tauchen so häufig (verziehen sei der Widerspruch) Dolmetscher (dazu noch bei der Ausübung ihres Berufs) als Protagonisten auf. (So befasst sich z.B. der Übersetzer in „Perlmanns Schweigen“, die Hauptfigur eines ebenso wunderbaren wie spannenden Romans von Pascal Mercier, eher mit kognitiven Wissenschaften und Psychologie, als mit dem eigentlichen Übersetzen.)

In „The Thousands Autumns of Jacob de Zoet“ von David Mitchell (so heißt das Buch, das mir das obige Zitat als Überschrift lieferte), werden nicht nur Übersetzer, sondern auch das Übersetzen als solches thematisiert. Es geht um einen jungen Holländer, der im Auftrag einer Handelsgesellschaft 1799 nach Japan reist, um wegen des Verdachts von Diebstählen und Korruption unter seinen Landsleuten auf der fernen und dazu noch stark von der ganzen Welt abgeschlossenen Insel zu ermitteln. Dabei lernt er unter anderem sich mit und ohne Hilfe von Dolmetschern zu verständigen, verliebt sich, erlebt, entdeckt und erfährt vieles, worum es in diesem spannenden Entwicklungsroman, Abenteuerroman, historischen, philosophischen Roman oder einem Roman über die Liebe, je nach Betrachtungsweise, geht …

Es vermischen sich die Genres genauso wie Stimmen, Sprachen und Kulturen. Insbesondere wegen verschiedener sprachlicher Eigenarten – Aussprachen und Akzenten – ist das englische Hörbuch besonders empfehlenswert. Dem Sprecher Jonathan Aris gelingt es, verschiedene Akzente und Idiosynkrasien – Holländisch, Japanisch, Malaiisch und natürlich Englisch, mit allen möglichen archaischen „methinks” und „ay“ – so wiederzugeben, dass man sich zuweilen wie ein Dolmetscher auf internationalen Konferenzen fühlt, wo die englischen native speakers (insbesondere die aus Irland oder Schottland) am schwierigsten zu verstehen sind.

Vor ein paar Monaten schrieb ich in diesem Blog über Audiomedien, die mir hilfreich erscheinen, das Simultandolmetschen zu trainieren und sich zu einem Dolmetschereinsatz vorzubereiten. Einige Dialoge aus „The Thousand Autumns“ als Hörbuch eignen sich bestens dazu.

Und so wiederum bereiten sich die Dolmetscher zu ihrem Einsatz in diesem Buch selbst vor, so recherchieren sie nach der Bedeutung fremdartiger Begriffe, unter denen der Begriff „Hanseatisch“ zu den schwierigsten zählt:

Each interpreter has a list of items that evade the Guild’s collective understanding. These he reads out, one by one, and Jacob explains as clearly as he can, with examples, gestures and synonyms. The group discusses an appropriate Japanese substitute, sometimes testing it on Jacob, until everyone is satisfied. Straightforward words such as ‘parched’, ‘plenitude’ or ‘saltpetre’ do not detain them long. More abstract items such as ‘simile’, ‘figment’ or ‘parallax’ prove more exacting. Terms without a ready Japanese equivalent, such as ‘privacy’, ‘splenetic’ or the verb ‘to deserve’ cost ten or fifteen minutes, as do phrases requiring specialist knowledge – ‘Hanseatic’, ‘nerve-ending’, or ‘subjunctive’. Jacob notices that where a Dutch pupil would say, ‘I don’t understand,’ the interpreters lower their eyes, so the teacher cannot merely explicate, but must also gauge his students’ true comprehension.

Die in der Überschrift gestellte Frage betrifft Jacobs Ermittlungen im Zusammenhang mit Macht, Betrug und Korruption. Dazu tragen auch die in diesem Roman vorkommenden Dolmetscher bei. Interessanterweise wird die Frage nach Macht und Korruption der Dolmetscher in einem Interview von Leonard Lopate mit David Mitchell auf WNYC (New York Public Radio, The Leonard Lopate Show so aufgeworfen:

Leonard Lopate: It is interesting that Japanese interpreters are some of the most powerful people on the island and also the most corrupt. Because having the ability to translate between the two cultures gave them also some form of political power…
David Mitchell: It does. Language IS power…

Alles in allem, ein großes, spannendes Buch voller Sprachmacht und starker Bilder. Die deutsche Übersetzung ist noch nicht erschienen (Stand: Oktober 2011). Auch die russische Übersetzung fehlt, obwohl drei andere Bücher von David Mitchell (unter anderem „The Cloud Atlas“) ins Russische schon übersetzt sind. In den russischsprachigen Rezensionen auf „The Thousand Autumns“ wird der Name „Jacob de Zoet“ in verschiedenen kyrillischen Schreibweisen transkribiert. Ich bin gespannt, welche Entsprechung die verschiedenen sprachlichen Eigenarten, Akzente und Aussprachen in der künftigen russischen Übersetzung finden werden.

Je mehr Möglichkeiten zur Automatisierung, desto notwendiger die Kontrolle. Dieser triviale Erkenntnis fiel mir neulich wieder ein bei der Übersetzung von so aktuell gewordenen Verhaltensregeln, die viele Firmen für ihre Mitarbeiter neuerdings einführen, verfassen, aufstellen oder, wie in meinem Fall, übersetzen lassen, wenn die entsprechenden corporate behavior codes in den US-amerikanischen Zentralen bereits vorhanden sind und jetzt für die Tochtergesellschaften in verschiedenen Ländern angepasst werden sollen. Übrigens erwarte ich, dass wie demnächst mit einer Welle von englischen Begriffen gerade aus diesem thematischen Bereich konfrontiert werden. Ähnlich vorhersehbar tauchten in den deutschen Medien vor ein paar Jahren nur leicht eingedeutschten Versionen von excellence und gentrification auf, die zwar eigene, wenig fremdsprachlich klingende Pendants in der deutschen Sprache haben, in einem gewissen Zusammenhang aber besser mit Exzellenz oder Gentrifizierung ausgedrückt werden können: „Exzellenzinitiaven an deutschen Hochschulen“, „Yuppies gegen Gentrifizierung auf St.Pauli“ (warum nicht „Wölfe für Vegetarier“, gäbe es auch Fans)…

Ich bin gespannt, welche moderneren Vokabeln z.B. die schnödere „unternehmerische Verantwortung“ ersetzen. Oder ob der Begriff compliance eine deutschsprachige Entsprechung findet? Momentan gibt es in der deutschen Pharmabranche bestimmt mehr Personen, die als compliance officers und nicht als Richtlinienbeauftragte (die die Einhaltung der Konzerngrundsätzen überwachen) gelten. Wie auch immer, ausgerechnet solche Begriffe und solche Verhaltensregeln übersetzte ich in diesem verregneten Sommer, aus dem Englischen ins Russische, als mir diese Erkenntnis („je mehr Möglichkeiten zur Automatisierung, desto notwendiger die Kontrolle“, siehe oben) einfiel.

Der zu übersetzende Text war tabellarisch aufgebaut mit Spalten für Kategorien wie „Personen“, „Handlungen“, „Anwendbare Dokumente“ usw. Bei Zahlen (insbesondere mit Punkt oder Komma) und Abkürzungen beharrt TagEditor allzu häufig auf eigenen Segmentiertungsregeln, die erstaunliche Ergebnisse liefern. Ich bin es gewohnt, dass das russische Rechtschreibprüfungsmodul immer wieder versucht, Internet durch Internat zu ersetzen. Ähnlich verhält sich TagEditor. In meinem Fall ersetzte das Programm stillschweigend das englische „No.“ mit dem russischen Zeichen № (Abkürzung für Nummer). Erst wenn ich den fertig übersetzten russischen Text wieder in der tabellarischen Form überprüfte, stellte sich heraus, dass “No.” bei diesen Regeln und Verordnungen keine Nummer, sondern einfach “Nein” bedeutete, so wie Bericht erstellen? Regel vorhanden? – Nein.

Zu der bereits erwähnten trivialen Erkenntnis über die Kontrolle und die Automatisierung fiel mir bei dieser Gelegenheit noch ein bekanntes englisches Gedicht (von Thomas Hood, 1789-1845) ein, dass für Translation Memory Programme wie TagEditor wie geschaffen scheint:

No sun – no moon!
No morn – no noon –
No dawn – no dusk -
no proper time of day.

No warmth, no cheerfulness, no healthful ease,
No comfortable feel in any member –
No shade, no shine, no butterflies, no bees,
No fruits, no flowers, no leaves, no birds! –
November!

Nein, nein und nochmals nein! Das hat weder mit dem Sommer, noch mit der eigentlichen Übersetzung zu tun. Nur ein kleines Beispiel zum Schmunzeln, um die Verhaltensweise von Übersetzerprogrammen zu illustrieren. Wobei es natürlich immer darauf ankommt, wie man solche Programme einsetzt und kontrolliert.

Und noch ein Tipp am Rande für diejenigen, die sich mit dem Thema corporate behavior codes, insbesondere von großen Konzernen beschäftigen: viele Dokumente, die bereits in mehrere Sprachen übersetzt sind, findet man auf den Internetseiten von Eaton Corp. im Bereich Global Ethics and Compliance. Die entsprechenden Code of Ethics (in 32 Sprachen) und Ethics Guide (in 29 Sprachen) sind als PDF-Dateien verfügbar und einiges aus dieser bereits vorhandenen Terminologie kann der Übersetzer  gut gebrauchen. Wie gesagt, was das Thema Corporate Ethics bzw. Compliance angeht, da rechne ich mit einer erhöhten Nachfrage nach Übersetzungen. Nach diesem Sommer…

Honesty Book Shop
A lonely „honesty book shop“ in Fjaerland – Mundal, Norway, where used books are put for sale at 10 Norwegian krone (€1,25), with no seller in sight (July 2011).

“I definitely want my money back!” This was the first thought which sprang to mind, after I, upon long deliberation, finally signed up for Chris Phillips’ e-book , downloaded the PDF and had a thorough look at it. As of late, I was often asked to help a translation agency with InDesign jobs – preparing InDesign files, importing the translations into InDesign and readjusting the layout afterwards. I am no novice in the field of desktop publishing, I used to work with QuarkXPress quite a lot until the early 2000s and then moved on along with some clients from the advertising and publishing industry to InDesign. I acquired some practical skills but remained largely self-taught and hence slightly insecure, which in my case was probably a side effect of this learning-by-doing process.

In hindsight, I guess, this made me susceptible to the kind of sales pitch on the indesign4translators site. Although I never experienced any serious problems when working in InDesign in the limited capacity of a translator, the impressive list of problems stated there (sleepless nights… missed deadlines… wasted hours…) might have been effective. It is representative of an “insurance agent’s pitch”, which first dwells on all kinds of dangers only to offer the right indemnity protection that, up to now, you somehow inexplicably managed to do without. The Russian word for insurance (strakhovaniye) stems from “fear” (strakh) and, in my opinion, conveys very well the essence of this approach. The pitch is also a variation on the “buy now or regret later” theme. As is often the case with this theme, “or” very rapidly turns to “and”, so “buy now or regret later” becomes “buy now AND regret later”.

Well, I regretted almost immediately having bought this PDF, but still didn’t claim my money back. Instead, I had another thorough look and found out that the tutorial actually exactly lives up to what the pitch promises. The problem is rather what the ad omits to describe. So what, precisely, is this “ONLY GUIDE YOU’LL EVER NEED…”, to cite the claim of its author?

It is a PDF file of 69 pages, sparsely populated with lines and screenshots. Some 6,000 word per 69 pages, approximately 90 words per page – as a translator, you can easily do your own maths and get a picture. The price is not €27 (“a special release promotion” instead of €37), but €27 plus tax which amounts to €32.13. To continue with the figures, which the website keeps silent about, the tutorial features InDesign CS2/CS3 and SDL Trados 2007, so not exactly the latest versions.

Now what is the content about? It is about how to open a file in InDesign (if you ever double clicked on a file, you already know a lot), checking the file, making some changes if need be and exporting the file in INX format for processing with TagEditor. I still have the old training materials by Jerzy Czopik (SDL Trados Training 2007 in Budapest). This half a page by Jerzy Czopik:
Jerzy_Czopik_on_InDesign
roughly corresponds to some 30 pages of Chris Phillips’ indesign4translators tutorial. It is “a step-by-step guide”, after all. The remaining pages are about the guide itself (“Thank you for choosing InDesign for Translators (A step by step guide to preparing InDesign files for translation)”), the InDesign workspace, master pages and layers. At the end of the PDF tutorial, you will find a short list of CAT tools (as of 2007), a word on getting help and two last blank pages. This sums up Mr Phillips’ 69 pages strong manual, still promoted as the “latest news” at his corporate site (“Chris Phillips launches his book InDesign for Translators – a step by step guide to preparing Indesign files for translation”).

I really don’t want to indulge in sarcasm and, conceivably, I am not the target group for Chris Phillips’ tutorial. Moreover, I feel very positive about Mr Phillips. I think he is very good at marketing, with his talent for precise descriptions and a hand at delivering a smart sales pitch. In fact, I’d rather have Mr Phillips on my side. I’d rather see him describe, advertise and sell something for me, not to me.

Update from August 14, 2011:

After publishing the review here, I posted the link to it on the Proz website. The thread, originally started in 2008 by Chris Phillips, who announced his ebook asking for reviews and “unbiased feedback”), fizzled out from initial requests from colleague translators to sporadic questions about whether the book is worth paying for (as no reviews followed). The subsequent events are summarized in my next post to the thread as follows:

“Since I expect this post to be one of the last on the thread I would like to recapitulate some facts and recent developments and possibly find a positive conclusion. My post about the review of the book, published on my blog, was followed by a reaction of Chris Phillips, the author of InDesign For Translators and “topic starter”. He confirmed what was already assumed in this thread months ago (April post: “I guess it was written for InDesign CS2/3, we’re now on CS5”) and what he obviously preferred not to disclose up to now, for two plus years, as long as not expressly stated otherwise. He also admitted to his book being “a little outdated now” and, after I posted my review on the thread, offered offhand the book free for download (“if anyone thinks it may help them”). In the meantime, I received three emails thanking me for the review which helped not to waste €37 or €27 (“promotional rate for a limited time only”) on a book that the email senders, provided there would be some more specific information available, not just a genuinely tempting ad, would rather refrain from buying anyway. I also received an email from Mr Phillips, the author, who kindly offered me a complete refund for the book. (Payment received, thank you very much.)

Well done indeed. I am far from believing my photo of an “honesty book shop” in Norway might be some inspiration for the author to immediately offer the book free of charge, even if someone like me may feel “ripped-off” or perhaps just puzzled (no longer) at the consistent absence of any reviews, testimonials, details about this “best selling guide”, “the only guide you’ll ever need” (Chris Phillips). No matter whether the photo might be inspirational or not, the whole InDesign for Translators story has been an inspiration for me. It opened my eyes on how simple and, yes, effective it might be to throw together several pages of “easy to follow” and presumably useful instructions, set up a website and promote this “guide” on a forum where, incidentally, people also “enjoy helping people” (Chris Phillips), but without offering a promotional rate for a limited time only or even suggesting donations for helpful, consistent advice. Some 300 buyers, with only tho who claimed their money back, make quite a nice return for this guide, or rather, its promotion. But really, once again, a very good marketing job, very impressive, even if this seems to be the only positive conclusion I manage to make right now (aside from the nice return for the author and a PDF that, from now on, you can download for free (link above), even if only to decide for yourself whether it is worth what the ad still promises)”.

Update from August 17, 2011:

One day later, both the last message and the previous one (which appeared as response to Chris Phillips’ statement that he cannot see my review and hence cannot comment on it) were removed from the thread. The forum moderator referred to the forum rule no. 8 which both messages were allegedly “not in line” with:

“Outsourcers may not be discussed specifically. Posts or comments regarding a specific outsourcer (identified by name, reference, link or other means), whether positive or negative, are not permitted. (To indicate their likelihood of working again with a given outsourcer, site users should use the ProZ.com Blue Board.)”.
In her personal email the moderator confirmed that the messages had been removed due to the complaint from Chris Phillips and that the rule certainly doesn’t apply to my postings and was chosen for the sake of convenience (the thread, to remind, was opened specifically by the ebook author – not an outsourcer in this case – to announce his ebook and ask colleague translators, all language professionals with an interest in the subject, for reviews and “unbiased feedback” on the ebook). Later on, Chris Phillips also phoned me to demand that everything pertaining to the company he works for be removed from my posts. It is worth pointing out that in my review the company was mentioned only once, stating a plain fact about Chris Phillips’ ebook still promoted on their website as the “latest news”. Would Mr Phillips be really keen on dissociating his book from the company he works for or afraid of publicity, he’d rather start with his own postings on the thread which are all furnished with his company logo, not his personal countenance.

So, I must admit I fail to provide a really positive conclusion. Any conclusion is just fine, though. It would be pointless to continue with arguments so long as someone prefers to exert pressure to censor unfavourable feedback instead of responding to it within an open, fair discussion. So long then, Proz.

Update from August 28, 2011:

Concerning ProzKevin Lossner’s post you may want to check out.

Andronaco_ Tomarenko Übersetzung_russisch 02

Wenn man als Dolmetscher unterwegs ist, vermischt sich manchmal das Berufliche mit dem Privaten. Diesmal hatte ich das Vergnügen, als Dolmetscher das Unternehmen kennen zu lernen, das ich als Kunde schon seit Jahren gut kenne.

Eine Gruppe von usbekischen Führungskräften, die im Rahmen des Programms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) einen einmonatigen Trainingskurs „Fit for Partnership with Germany“ in Deutschland absolvierte, kam nach Hamburg, um unter anderem Andronaco GmbH & Co. KG zu besuchen. Buongiorno e benvenuti! In der Hamburger Zentrale trafen wir auf Vincenzo Andronaco, der sein Grande Mercato als ein wahres Stück Italien präsentierte. Eine spannende Geschichte eines italienischen Einwanderers, der vor vielen Jahren aus einem kleinen sizilianischen Ort abgehauen war und, mit nur zwei DM in der Tasche, nach Hamburg kam. Nachdem er in der Hansestadt hier und da und auch im Hafen gearbeitet hatte, machte er später einen kleinen („vier Quadratmeter“) Lebensmittelladen in Hamburg-Billbrook auf und leitet nun einen bundesweit operierenden Filialbetrieb für italienische Lebensart. Solche Geschichten zu übersetzen macht Spaß! Aus erster Hand, quirlig, lebendig, gefüllt mit Witz und Weisheiten. So wie die wichtigsten Management-Ratschläge für die usbekischen Führungskräfte: „immer mit beiden Füßen auf der Erde bleiben“ (sempre coi piedi per terra) und „konstante, konstante, konstante“. Und noch eins. Selbst wenn der Maestro sich mittlerweile als Andronáco vorstellt, die richtige Betonung, wie die echten Kenner wohl wissen, bleibt Andrónaco. Bestätigt höchstpersönlich und eins zu eins übersetzt.

Übersetzer - Mensch gegen Maschine 2011-06-10

Vor einigen Wochen erreichte uns die folgende Email:

Sehr geehrte Damen und Herren,
Meine Frage richtet sich nicht direkt an Ihre Übersetzer-Kompetenz in obigen Sprachen,
sondern an Fragen der Kommunikationshilfe.
1. Person: Muttersprache Deutsch, keine Russischkenntnisse
2. Person: Muttersprache Russisch, keine Deutschkenntnisse
Kommunikationssprache: Englisch, beiderseits mäßige Kenntnisse.
Erwünscht ist anspruchsvolle Kommunikation.
Kennen Sie Geräte-Übersetzer (z.B. Franklin) mit guten Eigenschaften?
Über eine Antwort würde sich freuen…

Normalerweise zögere ich etwa, auf Anfragen zu reagieren, die sich an anonyme „Damen und Herren“ gerichtet sind oder mit einem freundlichen Hallo oder Guten Tag gleich Dutzende andere, manchmal sogar unter CC in einer alphabetischen Reihe offen aufgeführte Empfänger begrüßen. Nebenbei bemerkt, werden solche Rundschreiben in letzter Zeit immer mehr. Je höher man bei Google-Treffern platziert wird, desto häufiger wird man mit „Damen und Herren“ oder „Guten Tag“ angesprochen. Eine singuläre Erscheinung stellte bis jetzt nur ein britischer Kunde dar. Dieser, höflich wie die Briten sind, bat um „apologies für the mass email format“. Das ist, allerdings, tatsächlich nur nebenbei bemerkt.

Bei der obigen Anfrage war mein Zögern aber inhaltlich begründet. Die Anfrage musste ich nochmals lesen. Erst danach leuchtete mir ein, dass der „Geräte-Übersetzer“ eigentlich eher umgekehrt, als „Übersetzungs-Gerät“, zu interpretieren ist. Kein Übersetzer von Bedienungsanleitungen, Spezifikationen und sonstigen technischen Dokumentationen, sondern ein elektronisches Wörterbuch, mit erweiterter Funktionalität zur „Förderung anspruchsvoller Kommunikation“. Ein kurzer Blick auf die Website von Franklin Electronic Publishers bestätigte die Vermutung.

Es mehren sich also die Zeichen, dass der Übersetzer und Dolmetscher, der Mensch in unserem Metier („In der Mitte steht der Mensch“?), immer mehr gegen die Maschine antreten muss. Auch Google Übersetzer war schon mal das Thema dieses Blogs. Es genügt nicht, sich nur mit Software (CAT-Tools, Translation Memories, was auch immer) auseinanderzusetzen, auch Hardware ist gefragt. Zumindest was diese spezielle Anfrage angeht.

Ehrlich gesagt, auf die Anfrage habe ich nicht reagiert, sieht man von dieser verspäteten und womöglich nicht ganz adäquaten Reaktion ab. Haben denn die anderen Kollegen auf die Email geantwortet? Und wie? Würde mich schon interessieren…

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