1. November 2011

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FileMaker für Übersetzer als Verwaltungssoftware

Für alle, die auf der Suche nach Auftragsverwaltungs- bzw. CRM-Software für Übersetzer und Dolmetscher sind, hier ein aktueller Tipp:

Da die neueste, 10. Version von TOM (Translator’s Office Manager) momentan nur als TOM Agentur/Team verfügbar ist, verkauft Jovo-Soft (Joachim Voigt Translation & Software aus Berlin) die abgespeckte Vorgängerversion für Einzelübersetzer bzw. Freiberufler (Solito) zu ca. 70 €. (Ich schreibe bewusst “ca.”, weil der Preis auf der deutschen Seite von Jovo-Soft mit 75 € angegeben ist, auf der englischen aber mit 65 €. Es lohnt sich also, auf das britische Fähnchen auf der Startseite zu klicken.)

Das Angebot ist, wie die Website verlauten lässt, zeitlich begrenzt, sprich bis zum Aktualisieren auch der Freiberuflerversion. Der wesentliche Unterschied zwischen Agentur/Team und Solito besteht darin, dass die Struktur der Solito-Datenbank eine Kategorie vermissen lässt, nämlich (andere) Übersetzer/Lieferanten (der Einzelübersetzer arbeitet per Definition allein bzw. will kein Geld ausgeben, um seine Kollegen in die Datenbank einzutragen). Der Unterschied zwischen den Versionen 9 und 10 wird ausführlich erklärt, meines Erachtens deutet es aber auf einige Verschlimmbesserungen hin. Als Verschlimmbesserung bezeichne ich vor allem die grundsätzliche Tendenz, jede neue Softwareversion mit immer weiteren Funktionen und Optionen zu befüllen, anstelle das Programm einfacher und überschaubarer zu gestalten. Wenn all die unzähligen Features schon in der Beschreibung nicht in meinen unmittelbaren Nutzen „übersetzt“ werden (d.h. was nutzt mir z.B. zu wissen, dass die Benutzeroberfläche ab jetzt noch mehr Aufklappmenüs hat?), befürchte ich die Gefahr, dass der software vendor nicht nur einen Marketingfehler begeht, sondern womöglich auch die Bedürfnisse der Zielgruppe nicht richtig erkannt hat.

Bei der Menge von Tabellenzellen und Feldern, die erwarten, von mir ausgefüllt zu werden, wenn ich z.B. einen Kunden oder einen Auftrag erfassen möchte, muss ich unwillkürlich an die im Fernsehen immer wieder gefeaturten Ärzte denken, die angesichts des von Ihnen geforderten verwaltungstechnischen Aufwands keine Zeit mehr haben, sich um Patienten zu kümmern.

Auch die neuen, vermeintlich nützlichen Funktionen, wie die automatisierte Kommunikation (Sammelmail an mehrere Übersetzer oder automatisch generierte Terminerinnerungen mit einem Standard-Text, der in >Ben.Einst. >Formulare >E-Mail-Templates >ÜbAuftr (!!!) definiert wird – viel Freude damit!), sind meiner Meinung nach eher kontraproduktiv für die (häufig wechselseitigen und – noch wichtiger – noch menschlichen) Beziehungen zwischen Kunden und Lieferanten.

Wie auch immer, es kommt etwas Bewegung in das Marktsegment Verwaltungssoftware für Übersetzer. Wenn LinguiProfi immer noch mit den „aktuellen Neuigkeiten“ vom November 2010 wirbt (Vergünstigte Version für Berufseinsteiger… Sie sind selbständig und haben eine gültige Gewerbeanmeldung… (!!!) Die Anmeldung Ihres Gewerbes (?!) liegt nicht länger als zwei Jahr (genau, „zwei Jahr“, richtig gelesen) zurück…), wenn auch LinguAss, ein sehr sympathisches, wohlgemerkt, Softwareprodukt, nicht weiter entwickelt wird, ist das Erscheinen einer neuen Version von TOM schon ein bemerkenswertes Ereignis! Was denn nun? Make or buy?

Für mich persönlich war das Entscheidende, dass TOM ein auf die Bedürfnisse eines Übersetzungsbüros zugeschnittene FileMaker-Template darstellt. Wenn man also einigermaßen technikaffin ist, warum nicht gleich das „Original“ (FileMaker) nehmen und nach seinen Bedürfnissen anpassen. Es gibt auch vielfältige freie, customizable Templates, u.a. FM Starting Point von Richard Carlton Consulting Inc. (Bild oben), die im Grunde die gleiche Funktionalität bieten. Nichtsdestotrotz ist TOM Solito in der aktuellen, 9. Version, eine klare Kaufempfehlung, zumal man auch die kostenlose Testversion 30 Tage lang ausprobieren kann. Das die Software zu diesem Preis (65 €? 75 €?) als „nicht upgradefähige Lizenz“ angeboten wird, würde ich in Kauf nehmen.