CAT, TEnT and all that jazz

Translation tools, Übersetzer-Software

Für alle, die auf der Suche nach Auftragsverwaltungs- bzw. CRM-Software für Übersetzer und Dolmetscher sind, hier ein aktueller Tipp:

Da die neueste, 10. Version von TOM (Translator’s Office Manager) momentan nur als TOM Agentur/Team verfügbar ist, verkauft Jovo-Soft (Joachim Voigt Translation & Software aus Berlin) die abgespeckte Vorgängerversion für Einzelübersetzer bzw. Freiberufler (Solito) zu ca. 70 €. (Ich schreibe bewusst “ca.”, weil der Preis auf der deutschen Seite von Jovo-Soft mit 75 € angegeben ist, auf der englischen aber mit 65 €. Es lohnt sich also, auf das britische Fähnchen auf der Startseite zu klicken.)

Das Angebot ist, wie die Website verlauten lässt, zeitlich begrenzt, sprich bis zum Aktualisieren auch der Freiberuflerversion. Der wesentliche Unterschied zwischen Agentur/Team und Solito besteht darin, dass die Struktur der Solito-Datenbank eine Kategorie vermissen lässt, nämlich (andere) Übersetzer/Lieferanten (der Einzelübersetzer arbeitet per Definition allein bzw. will kein Geld ausgeben, um seine Kollegen in die Datenbank einzutragen). Der Unterschied zwischen den Versionen 9 und 10 wird ausführlich erklärt, meines Erachtens deutet es aber auf einige Verschlimmbesserungen hin. Als Verschlimmbesserung bezeichne ich vor allem die grundsätzliche Tendenz, jede neue Softwareversion mit immer weiteren Funktionen und Optionen zu befüllen, anstelle das Programm einfacher und überschaubarer zu gestalten. Wenn all die unzähligen Features schon in der Beschreibung nicht in meinen unmittelbaren Nutzen „übersetzt“ werden (d.h. was nutzt mir z.B. zu wissen, dass die Benutzeroberfläche ab jetzt noch mehr Aufklappmenüs hat?), befürchte ich die Gefahr, dass der software vendor nicht nur einen Marketingfehler begeht, sondern womöglich auch die Bedürfnisse der Zielgruppe nicht richtig erkannt hat.

Bei der Menge von Tabellenzellen und Feldern, die erwarten, von mir ausgefüllt zu werden, wenn ich z.B. einen Kunden oder einen Auftrag erfassen möchte, muss ich unwillkürlich an die im Fernsehen immer wieder gefeaturten Ärzte denken, die angesichts des von Ihnen geforderten verwaltungstechnischen Aufwands keine Zeit mehr haben, sich um Patienten zu kümmern.

Auch die neuen, vermeintlich nützlichen Funktionen, wie die automatisierte Kommunikation (Sammelmail an mehrere Übersetzer oder automatisch generierte Terminerinnerungen mit einem Standard-Text, der in >Ben.Einst. >Formulare >E-Mail-Templates >ÜbAuftr (!!!) definiert wird – viel Freude damit!), sind meiner Meinung nach eher kontraproduktiv für die (häufig wechselseitigen und – noch wichtiger – noch menschlichen) Beziehungen zwischen Kunden und Lieferanten.

Wie auch immer, es kommt etwas Bewegung in das Marktsegment Verwaltungssoftware für Übersetzer. Wenn LinguiProfi immer noch mit den „aktuellen Neuigkeiten“ vom November 2010 wirbt (Vergünstigte Version für Berufseinsteiger… Sie sind selbständig und haben eine gültige Gewerbeanmeldung… (!!!) Die Anmeldung Ihres Gewerbes (?!) liegt nicht länger als zwei Jahr (genau, „zwei Jahr“, richtig gelesen) zurück…), wenn auch LinguAss, ein sehr sympathisches, wohlgemerkt, Softwareprodukt, nicht weiter entwickelt wird, ist das Erscheinen einer neuen Version von TOM schon ein bemerkenswertes Ereignis! Was denn nun? Make or buy?

Für mich persönlich war das Entscheidende, dass TOM ein auf die Bedürfnisse eines Übersetzungsbüros zugeschnittene FileMaker-Template darstellt. Wenn man also einigermaßen technikaffin ist, warum nicht gleich das „Original“ (FileMaker) nehmen und nach seinen Bedürfnissen anpassen. Es gibt auch vielfältige freie, customizable Templates, u.a. FM Starting Point von Richard Carlton Consulting Inc. (Bild oben), die im Grunde die gleiche Funktionalität bieten. Nichtsdestotrotz ist TOM Solito in der aktuellen, 9. Version, eine klare Kaufempfehlung, zumal man auch die kostenlose Testversion 30 Tage lang ausprobieren kann. Das die Software zu diesem Preis (65 €? 75 €?) als „nicht upgradefähige Lizenz“ angeboten wird, würde ich in Kauf nehmen.

Je mehr Möglichkeiten zur Automatisierung, desto notwendiger die Kontrolle. Dieser triviale Erkenntnis fiel mir neulich wieder ein bei der Übersetzung von so aktuell gewordenen Verhaltensregeln, die viele Firmen für ihre Mitarbeiter neuerdings einführen, verfassen, aufstellen oder, wie in meinem Fall, übersetzen lassen, wenn die entsprechenden corporate behavior codes in den US-amerikanischen Zentralen bereits vorhanden sind und jetzt für die Tochtergesellschaften in verschiedenen Ländern angepasst werden sollen. Übrigens erwarte ich, dass wie demnächst mit einer Welle von englischen Begriffen gerade aus diesem thematischen Bereich konfrontiert werden. Ähnlich vorhersehbar tauchten in den deutschen Medien vor ein paar Jahren nur leicht eingedeutschten Versionen von excellence und gentrification auf, die zwar eigene, wenig fremdsprachlich klingende Pendants in der deutschen Sprache haben, in einem gewissen Zusammenhang aber besser mit Exzellenz oder Gentrifizierung ausgedrückt werden können: „Exzellenzinitiaven an deutschen Hochschulen“, „Yuppies gegen Gentrifizierung auf St.Pauli“ (warum nicht „Wölfe für Vegetarier“, gäbe es auch Fans)…

Ich bin gespannt, welche moderneren Vokabeln z.B. die schnödere „unternehmerische Verantwortung“ ersetzen. Oder ob der Begriff compliance eine deutschsprachige Entsprechung findet? Momentan gibt es in der deutschen Pharmabranche bestimmt mehr Personen, die als compliance officers und nicht als Richtlinienbeauftragte (die die Einhaltung der Konzerngrundsätzen überwachen) gelten. Wie auch immer, ausgerechnet solche Begriffe und solche Verhaltensregeln übersetzte ich in diesem verregneten Sommer, aus dem Englischen ins Russische, als mir diese Erkenntnis („je mehr Möglichkeiten zur Automatisierung, desto notwendiger die Kontrolle“, siehe oben) einfiel.

Der zu übersetzende Text war tabellarisch aufgebaut mit Spalten für Kategorien wie „Personen“, „Handlungen“, „Anwendbare Dokumente“ usw. Bei Zahlen (insbesondere mit Punkt oder Komma) und Abkürzungen beharrt TagEditor allzu häufig auf eigenen Segmentiertungsregeln, die erstaunliche Ergebnisse liefern. Ich bin es gewohnt, dass das russische Rechtschreibprüfungsmodul immer wieder versucht, Internet durch Internat zu ersetzen. Ähnlich verhält sich TagEditor. In meinem Fall ersetzte das Programm stillschweigend das englische „No.“ mit dem russischen Zeichen № (Abkürzung für Nummer). Erst wenn ich den fertig übersetzten russischen Text wieder in der tabellarischen Form überprüfte, stellte sich heraus, dass “No.” bei diesen Regeln und Verordnungen keine Nummer, sondern einfach “Nein” bedeutete, so wie Bericht erstellen? Regel vorhanden? – Nein.

Zu der bereits erwähnten trivialen Erkenntnis über die Kontrolle und die Automatisierung fiel mir bei dieser Gelegenheit noch ein bekanntes englisches Gedicht (von Thomas Hood, 1789-1845) ein, dass für Translation Memory Programme wie TagEditor wie geschaffen scheint:

No sun – no moon!
No morn – no noon –
No dawn – no dusk -
no proper time of day.

No warmth, no cheerfulness, no healthful ease,
No comfortable feel in any member –
No shade, no shine, no butterflies, no bees,
No fruits, no flowers, no leaves, no birds! –
November!

Nein, nein und nochmals nein! Das hat weder mit dem Sommer, noch mit der eigentlichen Übersetzung zu tun. Nur ein kleines Beispiel zum Schmunzeln, um die Verhaltensweise von Übersetzerprogrammen zu illustrieren. Wobei es natürlich immer darauf ankommt, wie man solche Programme einsetzt und kontrolliert.

Und noch ein Tipp am Rande für diejenigen, die sich mit dem Thema corporate behavior codes, insbesondere von großen Konzernen beschäftigen: viele Dokumente, die bereits in mehrere Sprachen übersetzt sind, findet man auf den Internetseiten von Eaton Corp. im Bereich Global Ethics and Compliance. Die entsprechenden Code of Ethics (in 32 Sprachen) und Ethics Guide (in 29 Sprachen) sind als PDF-Dateien verfügbar und einiges aus dieser bereits vorhandenen Terminologie kann der Übersetzer  gut gebrauchen. Wie gesagt, was das Thema Corporate Ethics bzw. Compliance angeht, da rechne ich mit einer erhöhten Nachfrage nach Übersetzungen. Nach diesem Sommer…

Honesty Book Shop
A lonely „honesty book shop“ in Fjaerland – Mundal, Norway, where used books are put for sale at 10 Norwegian krone (€1,25), with no seller in sight (July 2011).

“I definitely want my money back!” This was the first thought which sprang to mind, after I, upon long deliberation, finally signed up for Chris Phillips’ e-book , downloaded the PDF and had a thorough look at it. As of late, I was often asked to help a translation agency with InDesign jobs – preparing InDesign files, importing the translations into InDesign and readjusting the layout afterwards. I am no novice in the field of desktop publishing, I used to work with QuarkXPress quite a lot until the early 2000s and then moved on along with some clients from the advertising and publishing industry to InDesign. I acquired some practical skills but remained largely self-taught and hence slightly insecure, which in my case was probably a side effect of this learning-by-doing process.

In hindsight, I guess, this made me susceptible to the kind of sales pitch on the indesign4translators site. Although I never experienced any serious problems when working in InDesign in the limited capacity of a translator, the impressive list of problems stated there (sleepless nights… missed deadlines… wasted hours…) might have been effective. It is representative of an “insurance agent’s pitch”, which first dwells on all kinds of dangers only to offer the right indemnity protection that, up to now, you somehow inexplicably managed to do without. The Russian word for insurance (strakhovaniye) stems from “fear” (strakh) and, in my opinion, conveys very well the essence of this approach. The pitch is also a variation on the “buy now or regret later” theme. As is often the case with this theme, “or” very rapidly turns to “and”, so “buy now or regret later” becomes “buy now AND regret later”.

Well, I regretted almost immediately having bought this PDF, but still didn’t claim my money back. Instead, I had another thorough look and found out that the tutorial actually exactly lives up to what the pitch promises. The problem is rather what the ad omits to describe. So what, precisely, is this “ONLY GUIDE YOU’LL EVER NEED…”, to cite the claim of its author?

It is a PDF file of 69 pages, sparsely populated with lines and screenshots. Some 6,000 word per 69 pages, approximately 90 words per page – as a translator, you can easily do your own maths and get a picture. The price is not €27 (“a special release promotion” instead of €37), but €27 plus tax which amounts to €32.13. To continue with the figures, which the website keeps silent about, the tutorial features InDesign CS2/CS3 and SDL Trados 2007, so not exactly the latest versions.

Now what is the content about? It is about how to open a file in InDesign (if you ever double clicked on a file, you already know a lot), checking the file, making some changes if need be and exporting the file in INX format for processing with TagEditor. I still have the old training materials by Jerzy Czopik (SDL Trados Training 2007 in Budapest). This half a page by Jerzy Czopik:
Jerzy_Czopik_on_InDesign
roughly corresponds to some 30 pages of Chris Phillips’ indesign4translators tutorial. It is “a step-by-step guide”, after all. The remaining pages are about the guide itself (“Thank you for choosing InDesign for Translators (A step by step guide to preparing InDesign files for translation)”), the InDesign workspace, master pages and layers. At the end of the PDF tutorial, you will find a short list of CAT tools (as of 2007), a word on getting help and two last blank pages. This sums up Mr Phillips’ 69 pages strong manual, still promoted as the “latest news” at his corporate site (“Chris Phillips launches his book InDesign for Translators – a step by step guide to preparing Indesign files for translation”).

I really don’t want to indulge in sarcasm and, conceivably, I am not the target group for Chris Phillips’ tutorial. Moreover, I feel very positive about Mr Phillips. I think he is very good at marketing, with his talent for precise descriptions and a hand at delivering a smart sales pitch. In fact, I’d rather have Mr Phillips on my side. I’d rather see him describe, advertise and sell something for me, not to me.

Update from August 14, 2011:

After publishing the review here, I posted the link to it on the Proz website. The thread, originally started in 2008 by Chris Phillips, who announced his ebook asking for reviews and “unbiased feedback”), fizzled out from initial requests from colleague translators to sporadic questions about whether the book is worth paying for (as no reviews followed). The subsequent events are summarized in my next post to the thread as follows:

“Since I expect this post to be one of the last on the thread I would like to recapitulate some facts and recent developments and possibly find a positive conclusion. My post about the review of the book, published on my blog, was followed by a reaction of Chris Phillips, the author of InDesign For Translators and “topic starter”. He confirmed what was already assumed in this thread months ago (April post: “I guess it was written for InDesign CS2/3, we’re now on CS5”) and what he obviously preferred not to disclose up to now, for two plus years, as long as not expressly stated otherwise. He also admitted to his book being “a little outdated now” and, after I posted my review on the thread, offered offhand the book free for download (“if anyone thinks it may help them”). In the meantime, I received three emails thanking me for the review which helped not to waste €37 or €27 (“promotional rate for a limited time only”) on a book that the email senders, provided there would be some more specific information available, not just a genuinely tempting ad, would rather refrain from buying anyway. I also received an email from Mr Phillips, the author, who kindly offered me a complete refund for the book. (Payment received, thank you very much.)

Well done indeed. I am far from believing my photo of an “honesty book shop” in Norway might be some inspiration for the author to immediately offer the book free of charge, even if someone like me may feel “ripped-off” or perhaps just puzzled (no longer) at the consistent absence of any reviews, testimonials, details about this “best selling guide”, “the only guide you’ll ever need” (Chris Phillips). No matter whether the photo might be inspirational or not, the whole InDesign for Translators story has been an inspiration for me. It opened my eyes on how simple and, yes, effective it might be to throw together several pages of “easy to follow” and presumably useful instructions, set up a website and promote this “guide” on a forum where, incidentally, people also “enjoy helping people” (Chris Phillips), but without offering a promotional rate for a limited time only or even suggesting donations for helpful, consistent advice. Some 300 buyers, with only tho who claimed their money back, make quite a nice return for this guide, or rather, its promotion. But really, once again, a very good marketing job, very impressive, even if this seems to be the only positive conclusion I manage to make right now (aside from the nice return for the author and a PDF that, from now on, you can download for free (link above), even if only to decide for yourself whether it is worth what the ad still promises)”.

Update from August 17, 2011:

One day later, both the last message and the previous one (which appeared as response to Chris Phillips’ statement that he cannot see my review and hence cannot comment on it) were removed from the thread. The forum moderator referred to the forum rule no. 8 which both messages were allegedly “not in line” with:

“Outsourcers may not be discussed specifically. Posts or comments regarding a specific outsourcer (identified by name, reference, link or other means), whether positive or negative, are not permitted. (To indicate their likelihood of working again with a given outsourcer, site users should use the ProZ.com Blue Board.)”.
In her personal email the moderator confirmed that the messages had been removed due to the complaint from Chris Phillips and that the rule certainly doesn’t apply to my postings and was chosen for the sake of convenience (the thread, to remind, was opened specifically by the ebook author – not an outsourcer in this case – to announce his ebook and ask colleague translators, all language professionals with an interest in the subject, for reviews and “unbiased feedback” on the ebook). Later on, Chris Phillips also phoned me to demand that everything pertaining to the company he works for be removed from my posts. It is worth pointing out that in my review the company was mentioned only once, stating a plain fact about Chris Phillips’ ebook still promoted on their website as the “latest news”. Would Mr Phillips be really keen on dissociating his book from the company he works for or afraid of publicity, he’d rather start with his own postings on the thread which are all furnished with his company logo, not his personal countenance.

So, I must admit I fail to provide a really positive conclusion. Any conclusion is just fine, though. It would be pointless to continue with arguments so long as someone prefers to exert pressure to censor unfavourable feedback instead of responding to it within an open, fair discussion. So long then, Proz.

Update from August 28, 2011:

Concerning ProzKevin Lossner’s post you may want to check out.

Evernote_Blog eines Übersetzers

„Den Elefanten habe ich nicht gesehen!“, sagt man im Russischen, wenn das eigentliche Highlight übersehen wird. Der Autor dieses Spruchs, Iwan Andrejewitsch Krylow (1769 – 1844), gilt als der bedeutendste Fabeldichter (bzw. Übersetzer von Fabeln von Äsop und Jean de La Fontaine) in der russischen Literatur. Viele seiner Verse sind in Russland zu Sprichwörtern geworden, so wie auch diese letzte Zeile aus dem Gedicht „Die Kunstkammer“ (die deutsche Übersetzung von Hans Baumann lautet „Der Wissbegierige“). Im Englischen spricht man vom „elephant in the room“, wenn das Offensichtliche ignoriert, übersehen oder aus irgend einem Grund nicht erwähnt sein sollte. Dieser sprichwörtliche Elefant fiel mir neulich ein, als ich den Artikel von Bianca Blüchel, Übersetzerin und BDÜ-Kollegin aus Rheinland-Pfalz, in der Februar-Ausgabe des Infoblatts von ADÜ (assoziierte Dolmetscher und Übersetzer in Norddeutschland e.V.) las.

Der Artikel unter dem Titel „Notizmanagement auf dem PC“ ist der erste Teil einer angekündigten, dreiteiligen Reihe, die Übersetzern und Dolmetschern einen Überblick über Software-Lösungen im Bereich Notizen verschaffen soll. Dieser Software-Bereich ist vielleicht nicht so prominent, wie CAT Tools (SDL Trados, WordFast, MemoQ usw.) oder Programme zur Verwaltung von Kunden, Aufträgen usw. (CRM für den Übersetzer), spielt aber auch eine Rolle, wenn es weniger um Glossare oder Terminologie-Datenbanken geht (dafür gibt es wiederum spezielle Programme), mehr aber um einfachere Hilfsmittel, Informationen zu sammeln und so zu handhaben, dass sie beim Übersetzen oder Dolmetschen behilflich sein können.

Zugegeben, von den meisten im Artikel genannten Shareware-Programmen habe ich nicht gehört. Die werden auch nicht so schnell gefunden, wenn man z.B. nach „notes management software“ oder „free note software“ googelt. Bei einem vorgestellten Programm (CUEcards) steht 2005 für das Jahr der aktuellen Version, das andere Programm (Scribble Papers) ist ebenso, wie die Rezensentin so charmant schreibt, „mittlerweile leicht angestaubt und könnte etwas gefälliger werden“. Diese Marginalität wäre halb so schlimm, im Gegenteil, sogar eher wertvoll, wenn es sich bei den genannten Software-Raritäten um echte Insider-Geheimtipps handelte. Inwiefern solche Tipps noch aktuell sind, sei dahingestellt. Objektivitätshalber, finde ich, sollte aber auch der Elefant unter den Notiz-Programmen nicht übersehen bleiben.

Wie so trefflich, ist das dem Logo nach tatsächlich ein kleines, sympathisches Rüsseltier. Unter dem deutschen Slogan „Ihr virtuelles Gedächtnis“ und dem englischen „Remember Everything“ (die russische Variante «Помни все» ist von der englischen eins zu eins übersetzt) bietet Evernote einen zentralen Ort, um Notizen (Text, Audio, Video, Webclips…) zu verwalten. Ohne das Programm promoten zu wollen (braucht es auch nicht, ist ohnehin der Marktführer in seinem Genre), möchte ich nur die hervorragende Interoperabilität und die Synchronisierungsmöglichkeiten erwähnen („Von überall abrufen. Evernote funktioniert mit fast jedem aktuellen Computer, Smartphone oder mobilen Gerät.“). Ob im Büro, zu Hause oder unterwegs, die Notizen sind immer dabei, wenn man einen (besser nicht „angestaubten“) PC / Mac / iPhone / iPad / Android / Blackberry / Palm / dabei hat.

Und noch ein anderes kleines Hilfsmittel, das ich im besagten ADÜ-Artikel vermisste und das in diesem Zusammenhang, praktisch und klein, auf der Hand liegt.

Apple Stickies für Übersetzer-Blog

Für Windows-PC gibt es Sticky Notes bei Apple Mac (in den aktuellen Mac OS X Versionen) sind die Notizzettel im Betriebssystem bereits integriert. Seit dem ersten Augenblick, als ich die sympathischen, bunten Zettel auf dem Bildschirm eines Kollegen in der Nachbar-Dolmetscherkabine sah, bin ich ein Fan von Apple Stickies geworden. Insbesondere beim Konferenzdolmetschen, finde ich, ist es extrem hilfreich und praktisch, eine übersichtliche, flexible Kartei mit Fachtermini, spontanen Anmerkungen und Begriffen vor den Augen zu haben (und auch schnell schließen zu können, wenn sie nicht mehr gebraucht werden). Und nun, mit der Erwähnung dieses Tools möchte ich auch meinen Blogeintrag schnell schließen, der sich zur Ergänzung eines aktuellen Artikels in der Übersetzer-Zeitschrift entwickelt hat und eigentlich nicht mehr als eine „Anm. des Übers.“ ist.

SDL Trados Übersetzer russisch

Ich mag locales. Ich definiere mich über locales. Locales vermitteln das Gefühl: Hier geht man differenziert und differenzierend vor. Hier wird man ernst genommen, hier darf man wählen und wird gewählt. Locales sind professionell, locales sind cool. In 99% der Fälle brauche ich keine locales.

Wenn Sie immer noch nicht wissen, was diese coolen locales sind: hier kurz Auskunft. Im engen Sinne (also wirklich sehr eng definiert) sind locales länderspezifische Anpassungen, die man bei SDL Trados vornehmen kann (vornehmen muss), wenn man z.B. eine Translation Memory anlegt. Grob gesagt, mit SDL Trados (mit den anderen CAT-Tools kenne ich mich weniger gut aus) kann ich nicht aus dem Englischen ins Deutsche übersetzen, ich muss zunächst die locale, also die Sprachlokalisierung definieren. Ich muss als „source language“ entweder English (Australia) oder English (Belize) oder English (Canada) oder English (Caribbean) oder English (Ireland) oder English (Jamaica) oder English (New Zealand) oder English (Republic of the Philippines) oder English (Trinidad and Tobago) oder English (South Africa) oder English (Zimbabwe) oder English (United Kingdom) oder English (United States) wählen. “English (India)” ist nicht dabei und einfach „English“ oder „English (International“) gibt es bei SDL Trados nicht. Für Deutsch ist es einfacher: Hier kann (muss) ich mich zwischen Austria, Germany, Liechtenstein, Luxemburg und Switzerland entscheiden. Zum Glück übersetze ich meistens ins Russische, meine Muttersprache, und hier bei Trados gibt es nur eine locale: Russian (Russia). What else?

In letzter Zeit fällt mir immer häufiger die intelligent-witzige Erzählung von Horst Evers über die Wahl eines belegten Brötchens („Welche Sauce? Welche Brotsorte? Getoastet oder ungetoastet? Am Bahnhof Bielefeld um 7.50 sonntags morgen!“). Hören Sie sich die Autorenlesung von „Bahnhof Bielefeld“ selbst an, Sie werden es nicht bereuen, mindestens ein Schmunzeln ist Ihnen garantiert. (Was auf die Wahl von „alternativlos“ als das Unwort 2010 mit Sicherheit nicht zutrifft.).

Noch vor 10 Jahren fand ich das cool, wenn ein amerikanischer Copywriter mir einen Flyer mit dem Rückantwortcoupon ins Haus schickte, in dem er mich einlud, die exakte Variante – Brit. English, Am. English oder Int. English – bei der Auftragvergabe für einen Werbetext anzukreuzen. Heute stehe ich diesem Vorhaben etwas differenzierter gegenüber.

Jetzt aber zur echten Differenz. Zu diesem einen Prozent der Fälle, bei denen ich finde, es wäre gar nicht verkehrt, auch für die russische Sprache ein paar locales einzuführen und wählen zu können (von mir aus auch wählen zu müssen). Als Übersetzer sehen wir eine unserer Stärken im kommunikativen Ansatz, gepaart mit Kundenorienierung. Mit anderen Worten, wenn wir für unsere Kunden übersetzen, denken wir an ihre Adressaten. Es ist unter anderem dieses Mitdenken, was uns, menschliche Übersetzer, immer noch von der Maschine unterscheidet. Um den Adressaten im Sinne des Kunden zu erreichen, reicht eine maschinelle länderspezifische Sprachanpassung nicht. Da muss man selber, wie ein bekannter deutscher Chefredakteur in seinen Werbebotschaften zu sagen pflegte, „immer an den Leser denken!“. Leser ist aber nicht gleich Leser. Adressat, selbst so einer, für den nur eine locale („Russian (Russia)“) vorgesehen ist, ist auch nicht gleich Adressat.

Als deutsch-russischer bzw. englisch-russischer Übersetzer in Deutschland kenne ich mich ziemlich gut mit der locale aus, die BSR („so orange ist nur Berlin“, Berliner Stadtreinigungsbetriebe) für das Informationsmaterial für ihre russischsprachigen Kunden („Ratgeber Abfall für den Privathaushalt“) von mir erwartet. Auf der anderen Seite kann ich nicht in einem VW-Prospekt für den russischen Markt „Punkte in Flensburg“ einfach als „punkty vo Flensburge“ im Russischen stehen lassen. Das Differenzieren ist hier ein Muss. Die Differenz (zwischen Kulturen und Sprachen) ist auch etwas, was unsere Arbeit so interessant macht. Banal, wie es ist, aber: the variety is the spice of life. Darum mag ich nämlich locales. Locales sind eben professionel, locales sind cool.