Das nette Multisprachtalent (link), das sich anschickt, all die fehlenden Dolmetscher spontan zu vertreten, bekommt Gesellschaft. Diesmal ist die Situation etwas entspannter. Auch das Thema ist allgemein gehalten: Kein “financial reporting” und keine all zu eindeutigen Aussagen (“this is not my sandwich”). Dafür aber neue Sprachen: Deutsch (just for starters), Russisch, Chinesich, Portugiesisch… Konsekutiv kongenial. Aber hören Sie selbst:
Zum Schmunzeln, Übersetzungsfehler

Vor einigen Wochen erreichte uns die folgende Email:
Sehr geehrte Damen und Herren,
Meine Frage richtet sich nicht direkt an Ihre Übersetzer-Kompetenz in obigen Sprachen,
sondern an Fragen der Kommunikationshilfe.
1. Person: Muttersprache Deutsch, keine Russischkenntnisse
2. Person: Muttersprache Russisch, keine Deutschkenntnisse
Kommunikationssprache: Englisch, beiderseits mäßige Kenntnisse.
Erwünscht ist anspruchsvolle Kommunikation.
Kennen Sie Geräte-Übersetzer (z.B. Franklin) mit guten Eigenschaften?
Über eine Antwort würde sich freuen…
Normalerweise zögere ich etwa, auf Anfragen zu reagieren, die sich an anonyme „Damen und Herren“ gerichtet sind oder mit einem freundlichen Hallo oder Guten Tag gleich Dutzende andere, manchmal sogar unter CC in einer alphabetischen Reihe offen aufgeführte Empfänger begrüßen. Nebenbei bemerkt, werden solche Rundschreiben in letzter Zeit immer mehr. Je höher man bei Google-Treffern platziert wird, desto häufiger wird man mit „Damen und Herren“ oder „Guten Tag“ angesprochen. Eine singuläre Erscheinung stellte bis jetzt nur ein britischer Kunde dar. Dieser, höflich wie die Briten sind, bat um „apologies für the mass email format“. Das ist, allerdings, tatsächlich nur nebenbei bemerkt.
Bei der obigen Anfrage war mein Zögern aber inhaltlich begründet. Die Anfrage musste ich nochmals lesen. Erst danach leuchtete mir ein, dass der „Geräte-Übersetzer“ eigentlich eher umgekehrt, als „Übersetzungs-Gerät“, zu interpretieren ist. Kein Übersetzer von Bedienungsanleitungen, Spezifikationen und sonstigen technischen Dokumentationen, sondern ein elektronisches Wörterbuch, mit erweiterter Funktionalität zur „Förderung anspruchsvoller Kommunikation“. Ein kurzer Blick auf die Website von Franklin Electronic Publishers bestätigte die Vermutung.
Es mehren sich also die Zeichen, dass der Übersetzer und Dolmetscher, der Mensch in unserem Metier („In der Mitte steht der Mensch“?), immer mehr gegen die Maschine antreten muss. Auch Google Übersetzer war schon mal das Thema dieses Blogs. Es genügt nicht, sich nur mit Software (CAT-Tools, Translation Memories, was auch immer) auseinanderzusetzen, auch Hardware ist gefragt. Zumindest was diese spezielle Anfrage angeht.
Ehrlich gesagt, auf die Anfrage habe ich nicht reagiert, sieht man von dieser verspäteten und womöglich nicht ganz adäquaten Reaktion ab. Haben denn die anderen Kollegen auf die Email geantwortet? Und wie? Würde mich schon interessieren…

Als hauptberuflicher Übersetzer und Dolmetscher gegen Übersetzungen per se aufzutreten, mutet sich vielleicht etwas merkwürdig an. Gestern, beim Lesen der Süddeutschen Zeitung, fiel mir der Briefkasten eines befreundeten Werbegrafikers ein, der mit dem Aufkleber „Keine Werbung“ scheinbar gegen Interessen der eigenen Zunft vorzugehen versuchte. Es mag zumindest kontraproduktiv für jemand in diesem Metier erscheinen, sich gegen Übersetzung und für das Original einzusetzen, nichtsdestotrotz fühlte ich mich gestern berufen, diesen bescheidenen Beitrag zur Unterstützung Peter Claessens’ Artikel in der Süddeutschen Zeitung zu leisten.
Der niederländische, neuerdings in Köln lebende Autor Peter Claessens thematisiert die obligatorische, allgegenwärtige Nachsynchronisierung fremdsprachiger Filme im deutschen Fernsehen: “So schön die deutsche Sprache auch sein kann…, es bedeutet für mich eine Verarmung, keine anderen Sprachen mehr zu hören, seit ich in Deutschland wohne.”
Der Artikel von Peter Claessens im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung (Montag, 9. Mai 2011) heißt „De Niro klingt doch auf Deutsch viel besser“ (You’re talkin’ to me? Sehnsüchte eines Niederländers im vollsynchronisierten Deutschland) und bringt so ziemlich auf den Punkt, was ich (kein Niederländer) angesichts des fehlenden Originaltons im deutschen Fernsehen empfinde, seitdem auch ich in Deutschland wohne.
Vor über zwanzig Jahren, noch bevor ich aus Russland nach Deutschland zog, hörte ich zum ersten Mal über diese deutsche Unsitte, sämtliche ausländischen Filme zu synchronisieren, von einem Kollegen aus der Schweiz. Mit Stolz und einem gewissen Patriotismus erklärte er mir damals, dass die Schweizer in ihren Kinos im Unterschied zu den Nachbarn im Norden stets das Original zu hören bekommen. Mag sein, dass „die deutsche Stimme von De Niro“ in der Tat viel besser klingt, von meinen englischen Kollegen hörte ich schon was anderes in Bezug auf Nicholas Cage oder viele Sprachwitze, die in der Übersetzung und Nachsynchronisierung spurlos verschwunden sind.
Ich glaube aber nicht, dass es ausgerechnet die Ausländer sind, die diesbezüglich so empfindlich reagieren. Ich kenne genug Deutsche “ohne Migrationshintergrund”, die die HBO-Serien, die sich Six Feet Under (klingt etwa auch dieser Titel nicht auf Deutsch viel besser: „Gestorben wird immer“?) oder In Treatment auf DVD anschauen, nicht nur um auf Werbeeinblendungen zu verzichten, sondern das „Echte“, sozusagen the real McCoy zu erleben.
Das gilt nicht nur für fiction, auch faction ist im deutschen Fernsehen vom Zwang, alles zu übersetzen, nicht verschont geblieben. Immer „quatscht eine deutsche Stimme durch den jeweils sprechenden Japaner, Franzosen, Amerikaner oder Chinesen hindurch, sodass man beide nicht mehr richtig versteht, nur eine Art Stimmenbrei hört“, schreibt der Autor vom Artikel. (Die billigen russischen Übersetzungen von ausländischen Filmen sind übrigens noch schlimmer, da “quatschen” immer zwei Stimmen über den Originalton – eine männliche für alle männlichen Rollen und eine weibliche für alle weiblichen.) Die Untertitel setzen sich nur marginal durch, sei es arte oder solche „the-medium-is-the-message“-Erscheinungen, wie der Auftritt von John Malkovich in der (in letzter Zeit am Rande der Belanglosigkeit stehenden) Harald Schmidt Show.
Es ist schön zu wissen, dass der Bedarf an Übersetzungen immer da ist, es ist erfreulich, wenn auch die Qualität der Übersetzung geschätzt wird. Es wäre aber richtig und an der Zeit, über die Entmündigung des Zuschauers und des Zuhörers durch das ständige, unausweichliche, unfreiwillige Übersetzen von allen und allem im deutschen Fernsehen zu debattieren. Keine Debatte über die Übersetzung als solche, sondern über die Angemessenheit der Übersetzung, genauer genommen, die Angemessenheit des immer noch fehlenden (und viel vermissten) Originaltons.
Kommentar v. Peter Claessens,
Autor des Artikels „De Niro klingt doch auf Deutsch viel besser“, 11.05.2010:
Danke vielmals für die Reaktion, Herr Valerij Tomarenko. Übersetzungen von Büchern sind manchmal nützlich, ich bin eben auch Übersetzer. Im Fernsehen, im deutschen Kino hat man keine Wahl, das ist entmündigend. Deutsche Fernsehfilme machen, die in Italien oder Burkina Faso, oder Moskau, spielen, wo jederman aber Deutsch spricht, ist lächerlich. Günter Rohrbach fand, dass man der ‘stillschweigenden Hinnahme dieser Barbarei’ ein Ende setzen soltte. Es verkenne die Mehrsprachigkeit der Wirklichkeit.
Herzliche Grüsse,
Peter Claessens

Zwar habe ich mir im letzten Blogeintrag (Beatbox, oder kennen Sie das schon lange?) vorgenommen, demnächst über etwas Sinnvolleres (zumindest über eine sinnvollere Website oder ein Programm) zu schreiben. Der kostenlose Internet-Service, den ich hier kurz vorstellen möchte, verdient aber auf jeden Fall erwähnt zu werden, wenngleich die Informationen, die man dadurch erhält, alles andere als sinnvoll sind.
Die Geschichte ist wie folgt. Diejenigen, die mit DTP / Layout usw. zu tun haben, kennen den so genannten Blindtext. Das ist nämlich Text, den man als Platzhalter im Layout verwendet, wenn der eigentliche Text noch nicht vorliegt. „Er besteht aus einer mehr oder minder sinnlosen Folge von Wörtern, oft auch nur aus wortähnlichen Silbenfolgen“, so Wikipedia. Als Klassiker gilt Lorem ipsum (kein richtiges Latein, klingt aber so). Seit einiger Zeit bediene ich mich eines komfortablen und kostenlosen Blind Text Generator, wenn z.B. die eigentliche Übersetzung noch nicht fertig ist, die Seiten müssen aber vorformatiert werden. Da wir meistens ins Russische übersetzen, fehlte mir nämlich ein russischer, mit kyrillischen Buchstaben geschriebener Blindtext. Auf der Suche nach einem passenden Dummy Generator entdeckte ich den Referat-Service von der beliebten russischen Suchmaschine Яndex.
Ein Referat im russischen Sprachgebrauch bedeutet in der Regel die Kurzfassung (Exposé) eines wissenschaftlichen Vortrags. Im englischen bezeichnet man das als abstract. Wenn Sie sich aus aktuellem Anlass (Baron von und zu…) Gedanken über die Promovierung machen, eignet sich der Referat-Generator von Yandex dafür bestens. Die Anzahl der Themen, zu denen wissenschaftlich beeindruckende Texte (blind) generiert werden, ist zwar etwas beschränkt: 16 Disziplinen werden angeboten, unter anderem Astronomie, Politologie, Physik, Chemie, Marketing, aber auch Gyroskopie (?). Durch das richtige Kombinieren ergibt sich aber garantiert was passendes zu jedem wissenschaftlichen Anlass. Sind Sie etwa ein Molwanien-Fan und möchten sich mit der molwanischen Geschichte auseinandersetzen? Dann finden Sie Ihre Treffer, wenn Sie das Kästchen Landeskunde abhaken.
Das einzige Manko: Die Texte sind russisch. Es gibt, wie es scheint, (noch) keinen Blindtextgenerator für die russische Sprache, dafür aber einen Generator für wissenschaftliche Vorträge, die seinesgleichen in den Sprachen mit lateinischen Buchstaben sucht. Was nun? Lassen Sie Ihr Referat vernünftig übersetzen. Am besten durch einen, der sich mit der Materie gut auskennt (Doktortitel wäre ratsam). Denn Yandex-Referat mal Google-Tranlsate wird definitiv too much.
Schauen Sie mal selbst.
Z.B.:
Реферат по политологии
Politische Wissenschaft
Тема: «Бихевиоризм как политическое лидерство»
Thema: Behaviorismus als politische Führerschaft
Вместе с тем, культ личности доказывает субъективность политического процесса, отмечает Б.Рассел.
Der Persönlichkeitskult belegt die Subjektivität eines politischen Prozesses, so B. Russel
Как уже отмечалось, политическое манипулирование сохраняет антропологический марксизм, об этом прямо сказано в статье 2 Конституции РФ.
Wie bereits erwähnt, konserviert die politische Manipulation den anthropologischen Marxismus, wie dies unmittelbar im Artikel 2 der Verfassung der Russischen Föderation vorgesehen ist.
Политическое учение Н. Макиавелли предсказуемо. Несмотря на внутренние противоречия, понятие модернизации иллюстрирует эмпирический феномен толпы, исчерпывающее исследование чего дал М.Кастельс в труде “Информационная эпоха”…
Die politische Lehre von N. Machiavelli ist vorhersehbar. Trotz innerer Widersprüche stellt der Begriff Modernisierung ein empirisches Phänomen der Menge dar, das M. Castell in seinem Werk „Das Informationszeitalter“ gründlich untersucht hat…
Oder würden Sie das lieber mit eigenen Worten sagen?

„Zur Bosheit des Tages“ (на злобу дня), heißt es im Russischen, wenn man lediglich etwas wie „aus aktuellem Anlass“ oder „tagesaktuell“ sagen will. Die heutige (18.01.2011) „Bosheit des Tages“ ist die Wahl des deutschen Unwortes des Jahres. Diesmal ist es „alternativlos“. Zu diesem Unwort (im Russischen антислово, Antiwort) standen, so die Nachrichtensender, unter anderem auch die russischen Medien, 1123 Alternativen zur Wahl. Es ist schon witzig, dass die Sprache, in der sich das Wort „Wahl“ so charmant mit der Qual reimt, auch das Fehlen jeglicher Wahl brandmarkt. So ist halt die deutsche Sprache, die Sprache der Dialektik, die Sprache der Philosophie…
Und, wenn der aktuelle Anlass auch etwas Anlass zum Sinnieren bzw. Philosophieren gibt, google ich in den nächsten Tagen nach, ob Renata Salecl etwas zur deutschen Wahl würde gesagt haben. Die slowenische Philosophin aus dem Kreis von Slavoj Zizek (der sich mit der modernen Philosophie auskennt, weiss Bescheid!), ist nämlich Autorin eines der beeindruckendsten philosophischen Bücher, die im Jahre 2010 erschienen sind. Unter dem Titel „The Tyranny of Choice“ verbirgt sich eine raffinierte und stellenweise außerordentlich witzige Analyse, wie „das spätkapitalistische Beharren auf die Wahl“ (late capitalist insistence on choice) die Illusionen grenzenloser Möglichkeiten der Selbstverwirklichung (endless possibilities to find fulfillment in life) und damit auch zunehmende Angst- und Schuldgefühle hervorruft.
Tja, schade, dass das Buch zum übersetzen (ins Russische) unseres Wissens nicht ausgeschrieben ist, sonst würden wir uns sofort melden. Also wirklich: keine Chance, alternativlos oder wie?
Wow! Konsekutiv, dafür aber sieben Sprachen (russisch leider nicht dabei):
Und nun klassisch englisch – deutsch (a little bit sächsisch…):
Wo der Übersetzer (ein menschlicher, versteht sich, von maschinellen Übersetzern ist hier noch nicht die Rede) aufgrund von Unaufmerksamkeit etwas übersieht, missversteht, nicht mitdenkt oder sich mit einer Materie nicht genug auskennt, entstehen lustige Fehler. So wie in der russischen Übersetzung von Christian Krachts „Faserland“, wo die Übersetzerin aus dem „türkisen Porsche“ einen „türkischen Porsche“ oder aus dem „FC St. Pauli“ einen „Brasilianischen Fußballclub von Sao Paolo“ produzierte.
Im Laufe meines Berufslebens als technischer Übersetzer, Redakteur, Lektor bzw. Korrektor hat sich schon einiges Witziges bei mir angesammelt, was ich zu überarbeiten oder „nur zur Info“ (meistens ältere, bereits vorhandene russische Übersetzungen) von Kunden bekommen habe. Hier die ersten drei Beispiele zum Schmunzeln:
1. Nach etwa 30 Seiten Korrekturlesen einer bereits vorhandenen russischsprachigen Gebrauchsanweisung von Dräger Medical überraschte mich doch die Beschreibung der Funktionsweise eines immer wiederkehrenden ATOMGERÄTES, das sich – nachdem es noch einige Seiten munter um die ATOMTECHNIK ging – später doch zum anfänglichen Narkoseapparat (also Atemgerät) rückmutierte. Gut, wenn der Übersetzer zumindest kurz vor dem Ende das Richtige erkennt.
2. Bei dem auf der Verpackung angegebenen Lieferumfang eines CD-Brenners von Mitsumi – Laufwerk, Installations-CD, Befestigungsschrauben und Handtuch – fiel mir das russische „polotenze“ (Handtuch) sofort ins Auge. Toll, dachte ich mir, wenn mit dem Einbau des Laufwerks was nicht klappt, dann kann der User zumindest das Handtuch werfen. Oder war das Tuch zum Polieren von Rohlingen gedacht? Der englische Lieferumfang lautete etwas anders: „fastening screws, and manual (user guide)“. Klar, ohne Brille kann man schon ein „Handbuch“ mit einem „Handtuch“ verwechseln, aber fällt es sonst niemandem auf?
3. Die deutsche Firma Schrage ist als Hersteller von Fördersystemen, insbesondere Rohrkettenförderern, international präsent und weit bekannt. Um so mehr mein Erstaunen, als ich vor einigen Jahren eine ältere (nunmehr verjährte) Firmenbroschüre in den als Hilfe zur Übersetzung gelieferten Unterlagen fand, in der die SCHRAGE Fördersysteme als „schräge Förderer“ (косые конвейеры) übersetzt wurden. Lustigerweise ist das russische Wort „kosoj“ bestens geeignet, auch einige Nebenbedeutungen vom deutschen Adjektiv „schräg“ zu transportieren.
